Hemman & Kaden

7. September 2009

Hemmann & Kaden

Mathias Kaden released demnächst sein neues Album Studio 10 bei Vakant. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich bereits einige Texte, Interviews und Flyer für den jungen Herrn aus meiner Heimatstadt produziert habe. Eine Auswahl gibt es nach dem Klick.

1. Interview und Logo für und mit Mathias Kaden und Marek Hemmann für das 365 Veranstaltungsmagazin.

Wie seid Ihr zur elektronischen Musik gekommen?

M.K. Bei mir war es früher ganz eindeutig die Kegelbahn in Gera. Ich war 14 als ich zum ersten Mal hingegangen bin. Es kam die ganze Nacht Technomusik und es waren nur verrückte Leute da. Das hat mir einfach gefallen. Weiter ging’s dann mit dem BioxUltra, was in Gera eine ganz wichtige Epoche war. Und natürlich die MUNA, die ja ohne Zweifel auch ein sehr wichtiger Grund ist hier zu bleiben.

M.H:- Ich kann hier nur die MUNA nennen. In Gera direkt hat mich eigentlich nicht so viel beeinflusst.

Gera ist ja nicht gerade die Hauptstadt der elektronischen Musik. Warum lebt Ihr immer noch hier und geht nicht in eine andere Stadt, wo es bessere Vorraussetzungen gibt?

M.K. Wenn alle aus Gera weggehen, kann hier auch nichts neues entstehen. Deswegen versuchen wir einfach hier zu bleiben und die Stadt voran zubringen. Ein bisschen Hoffnung besteht ja noch, dass hier wieder etwas passieren kann. Es gibt noch eine Gruppe von 20-30 Mann, die im Bereich der elektronischen Musik wirklich was drauf haben. Eigentlich müssten die sich alle langsam mal zusammen finden.

M.H. Manchmal finde ich es auch besser, wenn man eine musikalische Geschichte von außen betrachten kann. Man ist nicht so beeinflussbar und viel objektiver, wenn man nicht mitten im Kern einer bestimmten Sache steckt, wie es zum Beispiel in Berlin der Fall ist.

Wer gehört in Gera zu dieser Gruppe?

Angefangen bei Sven Kornmann, Andy B., die Leute von der Kegelbahn früher, L`auditeur usw… Viele haben sich einfach zurückgezogen, weil es nichts weiter gibt. Würde man die aber alle mal wieder mobilisieren, dann würde auch wieder was gehen.

Welchen Stellenwert nimmt Thüringen, bzw. Jena mit seinen Headquarters Freude am Tanzen und Musik Krause, bei denen ihr veröffentlicht, in Deutschland ein?

M.H. Jena ist auf jeden Fall eine sehr offene Stadt, sowohl musikalisch, als auch menschlich.

M.K. Mittlerweile steht Jena wirklich sehr hoch im Kurs. Vor 2-3 Jahren war das noch nicht so. Damals war FaT noch ein reines HouseLabel. Man hat zwar schon hier und da mal gehört, dass es sie gibt, aber es hat einfach nicht mehr so in die Zeit gepasst. Dadurch, dass sich das Label so verändert hat, und die Wighnomy Brothers einen ganz neuen Stil angetrieben haben, sind sie gerade in aller Munde. Das fängt damit an, das Köln (KOMPAKT) voll von Jena begeistert ist und hört da auf, dass MK & FaT in der Groove auf Platz 6 gewählt wurden. Jena ist auf jeden Fall ein Begriff für gute House und Technomusik.

Wie sieht dieser neue Stil von FaT aus?

M.K. Sie sind einfach greifender und flotter geworden. Dazu kommt ihr Aussehen und wie sie sich repräsentieren, und natürlich was sie für Musik machen. Dadurch haben sie einfach unheimlich viele Leute mitgerissen, die die Musik auf einmal mögen. Die Wighnomys und das Krause Duo waren glaub ich die ersten, die HipHop Leute zum Tanzen gebracht haben. Die haben das Ding in unserer Gegend nach oben gebracht. Es vermischt sich einfach alles und das ist sehr schön.

Wo nehmt Ihr eure Inspiration her?

M.H. Inspiration nimmt man von überall her. Sie kommt nicht in erster Linie von elektronischer Musik, sondern von jeglicher Musik, ob Indie oder sonst was.

M.K. Wir hören privat auch sehr unterschiedliche Musik. Ich nehme viel Inspiration von irgendwelchen Partys. Wenn ich zum Beispiel in Berlin bin, wird vielleicht gerade ein ganz anderer Sound gemacht als hier, und davon lässt man sich dann einfach inspirieren.

Warum ist Berlin zurzeit so angesagt?

M.H Es wird dort so gut wie nichts verboten. Man kann die Partys einfach machen wie man will, ohne dass jemand Stress macht. Es gibt nirgendwo Bullenstress, was hier in Gera ja immer schlimmer wird. Dies wird auch irgendwann ein Grund sein, dass Leute schon allein wegen der Polizei weggehen.

Was macht für Euch die Faszination von elektronischer Musik aus?

 M.H. Im Unterschied zur klassischen Band, die ihre Grenzen schon alleine in den Instrumenten findet, ist elektronische Musik einfach offener. Man kann sie in alle Richtungen weiter entwickeln und setzt sich seine Grenzen selbst.

M.K. Für mich ist das mittlerweile ein Lebensstil. Ich bin damit groß geworden und es ist eine Art Liebe geworden, die bis heute anhält.

Mit dem neuen Geraer Label Elster Records wurde ja eventuell ein Grundstein für einen möglichen Aufschwung in der Stadt gelegt. Ist hier in Zukunft eine mögliche Zusammenarbeit geplant?

M.K. Das Verhältnis zu ihnen(Wer?-Andy B. und ..) ist auf jeden Fall sehr gut. Geplant ist zwar noch nichts, aber wir werden auf jeden Fall mit ihnen zusammen arbeiten. Genau das ist ja das wichtige. Nur über Zusammenarbeit können wir Gera wieder voran bringen.

Kann man in Zukunft Releases außerhalb der FaT Familie, eventuell auch überregional erwarten?

M.K. FaT ist auf jeden Fall erstmal die Anlaufstation für uns. Damit können wir uns identifizieren, die Leute passen und es ist sehr professionell. Das ist überaus wichtig für uns. Es kommen aber auch schon andere Anfragen. So machen wir gerade einen Remix für Anja Schneider ( Radio Fritz ), die im Februar ihre zweite Platte heraus bringt. Unter anderem wird es einen Sascha Funke- und einen Hemmann&Kaden-Remix geben.

Ende Januar erscheint Eure dritte Platte auf FaT. Wie habt Ihr Euch von eurem ersten Release bis zur aktuellen verändert?

M.K. Unsere dritte Platte heißt Vaganza EP. Vom Stil her ist sie viel offener geworden und geht jetzt mehr in den Sound hinein. Es passiert einfach viel mehr und wird ein bisschen housiger. Sie klingt zwar immer noch minimal, entwickelt aber einen ganz eigenen Songcharakter, welcher auch außerhalb des Clubs funktioniert. Die ersten beiden Platten sind hingegen eher Dj Tools, welche nur im Set richtig zur Geltung kommen.

Wieso sieht man Euch nicht öfter zusammen?

M.K. Bis jetzt ist es noch so, das Marek der Liveact ist und ich der DJ. Wir machen schon viele Auftritte zusammen. Aber oft ist es so, dass wir die Termine aus zeittechnischen Gründen nicht miteinander vereinbaren können. Aber Ende dieses Jahres gibt es dann Hemmann & Kaden auch live zusammen.

Was sind Eure Lieblingsclubs?

M.K. Natürliches als erstes die MUNA. Überregional das Watergate und die Maria in Berlin.

M.H. Die MUNA ist der freundlichste Club. Das Kassa schon allein wegen der Anlage. In Berlin das Watergate und die Maria.

Was plant Ihr für Eure Zukunft, wollt Ihr zusammen weiterarbeiten?

M.H. Was ich schon immer machen wollte, weiter Musik machen.

M.K. Wir werden auf jeden Fall weiter zusammen Musik machen. Marek ist mehr sehr wichtig und ich will auf jeden Fall weiter mit ihm arbeiten. Es ist zwischen uns ein Geben und Nehmen. Wir sind dabei total unterschiedlich, doch ich glaube genau das macht es auch zwischen uns aus. Des Weiteren bekommen wir sehr viel Zuspruch von Leuten, die man nur von den Platten kennt, die man auflegt. Das gibt uns auch den Mut weiter zu machen. Wir freuen uns auf 2005.

2. Flyer für Spätschicht / Your City Veranstaltung

MathiasKaden

3. Text für das Veranstaltungsmagazin DRUNK des Distillery Klubs in Leipzig

Was Mathias Kaden da Nacht für Nacht hinter seinen Plattenspielern veranstaltet, muss man wohl einen Ein-Mann Rave nennen. Aber auch nur wenn er wie diesmal Solo unterwegs ist und hinter seinem Namen nicht so etwas wie Duo Nr.2, Brothers oder & so weiter steht. Es wirkt fast so, als würde Mathias jede einzelne Platte erstmal via umfangreicher Eigenbetanzung durch den Groovezoll schicken, bevor er sie guten Gewissens mit seinen 1210ern auf die Tanzfläche schießt. Bei genauerem Hinsehen stellt man dabei dann aber schnell fest, dass der erste Ein-Mann Rave Anblick doch eher so etwas ist, wie die gefühlte Einbindung des DJ`s in die Mitte der Tanzenden. So gelingt es ihm nämlich auf direkte Ravefühlung zu gehen, ein Teil der Klubatmosphäre zu werden und das richtige Plattenauswahlgefühlhändchen für die jeweilige Stimmungslage zu bekommen.

Das macht dann wohl auch den Erfolg von Mathias Kaden aus, dessen Bookingplan sich mittlerweile wie ein großes Wollknäul um den Erdball spinnt.

Neben seinem heimatlichen Freude am Tanzen Label, auf dessen Plattenreleases er meist zusammen mit diesem kleinen & Zeichen und Marek Hemann steht, versorgt er die Musikwelt seit einiger Zeit auch via Vakant mit Kadenschem Nachschub.

Hier fühlt er sich sichtlich wohl und veröffentlichte im November 2006 bereits seine dritte EP Synkope. Dabei verspielt er sich in letzter Zeit immer häufiger mit Labelkollege Onur Özer und mixte sich mit ihm auf Momentum durch die Vakant Releasewelt. Aber weil der internationale Jetset ja nicht alles ist, und zu Hause immer noch zu Hause, findet er immer wieder in die Mitte Deutschlands zurück, um sich hier ordentlich in seinen Residentklubs Muna und Kassablanca auszutoben. Da wird dann ein bisschen Chicago mit Jena vermischt, der Klanglauf perfektioniert und die Freude am Tanzen zelebriert. Aber da die Ein-Mann Rave Ansteckungsgefahr bei diesem Herrn Kaden ja nicht nur zu Hause groß ist, kann man für die Distillery schon mal die Tanzpuschen schnüren. Es wird wohl eine lange Nacht werden.

 

¬ geschrieben von Marcus in DT64

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