Jesse Rose für Drunk
26. Mai 2009

Neben meinem grafischen Output habe ich mich mit viel Leidenschaft dem Schreiben gewidmet. Zunächst in meiner Heimatstadt Gera für die Veranstaltungs-Magazine G-Punkt und 365, danach auf meinem eigenen Blog The Fast Life. Ein Ergebnis meiner Arbeit war, dass meine Texte auch in Leipzig gelesen wurden. Dadurch entstand der Kontakt zum Distillery Klub und zur BlackRed Crew, welche einmal im Monat das Drunk-Magazin zu den Veranstaltungen in der Distille gestalteten. Einer meiner ersten Texte war für Jesse Rose:
Jesse Rose
Jesse Rose braucht schon einen ziemlich großen Hut, wenn man mal übertragen gesprochen, all seine Projekte unter jenen welchen kriegen möchte. Jedenfalls verliert man bei so viel Workaholismus, wie ihn Jesse in die Nacht legt, schnell mal den Überblick und muss erstmal lautstark Rewind schreien. Fangen wir also noch mal von vorn an…
England in den 90ern. Jesse Rose zieht mit 14 Jahren von London nach Bristol, wo er seine musikalischen Einflüsse aus Motown Soul und Jazz weiterentwickelt. Und da es sich ja schließlich um die 90er handelte und man sich in England befand, bleibt es nicht weiter verwunderlich, dass diese Einflüsse erst mal in ordentlich elektronisches Geschenkpapier verpackt wurden. Dieses Geschenkpapier aus Chicago House und Detroit Techno wurde dann um selbst organisierte Partys gewickelt und in die Bristoler Nächte hinausgetragen.
Nachdem Bristol erobert war, zog es Jesse wieder zurück in seine Heimatstadt London, welche er ganz unbeeindruckt in seine Kleinteile zerlegte, die Nacht zum Tag machte und schließlich so ziemlich jeden guten Klub, samt KissFM und Ministry bespielte.
Da der Tag jedoch 24 Stunden hat und Schlaf wahrscheinlich eh nicht so Jesse`s Ding ist, lag es auf der Hand, dass er sich so ganz nebenbei ordentlich ans produzieren machte und 2000 zusammen mit Chris Belsey, das Label Front Room Recordings startete. Um sich aber die kleine Endung “holic” ans Ende eines Wortes schreiben zu dürfen, reichte dass noch nicht ganz. Also standen bald auch noch Loungin`Recordings und Made to Play an seinem Klingelschild. Aber da waren noch weiße Flecken im Terminkalender und so wurde kurzerhand die PR Agentur Cause and Effect eröffnet, verschiedene Resident Verträge von Berlin über Paris zurück nach London unterschrieben und sich in die internationale Jetset Elite eingetragen.
Zwischendurch produziert und remixt er sich zwischen seinen eigenen Labels und Größen wie Classic und Dubsided hin und her, auf welchen er, vielleicht um seine Schlaflosigkeit zu vertuschen, unter den Namen Induceve und Izit veröffentlicht.
Wir haben ihn durchschaut und pflücken den 27 Jährigen auf seiner Body Language Tour ab, nur um ihn zusammen mit Thüringens Wackeldackel Export Nr.1, dem Krause Duo Nr.2 ins gleiche Boot zu setzen. Musikalisch heißt das dann minimal-verfrikkelt plus extra Schlagsahne Fidget House, welcher wohl Jesse Rose´s Lebens- und Arbeitsstil am besten beschreibt, nämlich auf dem besten Weg einer der meist gebuchten englischen House DJ´s zu werden und dennoch mit genügend Cut-Up Samples um sich auch links und rechts von eventueller Routine auszutoben.
